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Insel Wilhelmstein 

 

Die Festung Wilhelmstein wurde im 18. Jahrundert auf einer künstlichen Insel im Steinhuder Meer errichtet.

Besitzverhältnisse

Die Insel Wilhelmstein ist im Besitz der Adelsfamilie Schaumburg-Lippe. Sie wird heute von einem Inselvogt von der fürstlichen Hofkammer in Bückeburg verwaltet. Damit verbunden ist das Zufahrtsrecht mit einem Motorboot zur Insel auf dem ansonsten motorbootfreien See.

Wilhelmstein

Ursprünglich gehörte auch das Steinhuder Meer zum Fürstentum Schaumburg-Lippe. Der Fürst trat es jedoch nach der Novemberrevolution von 1918/19 zur Hälfte an den Staat ab, um einer Enteignung vorzubeugen. Mit der Gebietsreform von 1974 wurde die restliche Hälfte des Steinhuder Meeres vom Fürsten zum Preis von 5 Millionen DM an den Landkreis Hannover verkauft.

Entstehung

Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe ließ die Insel mit der Festung zwischen 1761 und 1767 errichten.

Wilhelmstein

Die Inselfestung galt trotz ihrer geringen Ausdehnung als Mittelpunkt des Kleinstaates Schaumburg-Lippe und diente seiner Verteidigung. Graf Wilhelm wollte die kleine Grafschaft mit zu dieser Zeit nur 17.000 Untertanen gegen mögliche Annexionsbestrebungen anderer Mächte schützen. Bei den Planungen kamen ihm militärische Erfahrungen als Artillerist im Siebenjährigen Krieg und als Heerführer in Portugal zugute.

Wilhelmstein

Kupferstich 1787

Die Festung im Steinhuder Meer sollte zum uneinnehmbaren Fluchtpunkt werden und verhindern, dass ein Angreifer sich der Grafschaft bemächtigen kann. Der Verteidigungsfall trat 20 Jahre nach Fertigstellung der Festung tatsächlich ein (siehe unten Belagerung 1787). Die Grundsteinlegung erfolgte 1761 im Südwestbereich des Sees, 1,4 km vom Ufer entfernt. Das Bauprojekt trug die Bezeichnung Wilhelms Insuln, da es sich anfangs um den Wilhelmstein als Festungsinsel mit 16 Nebeninseln (Wilhelmsinseln) handelte.

Zwischen 1761 und 1765 wurde die Insel aufgeschüttet, auf der der Festungsbau entstehen sollte. Dazu schaffte die Bevölkerung fünf Jahre lang jeden Werktag rund 30 m3 Schüttmaterial aus Sand, Kies sowie Steinen heran. Im Sommer transportierten Fischer das Material in ihren Booten und im Winter fuhren Bauern das Schüttmaterial auf Schlitten heran. Eigens für die Anlieferung wurde der 1,2 km lange Hagenburger Kanal als Stichkanal von Hagenburg zum Steinhuder Meer ausgehoben. Trotz des Anspruchs des Grafen Wilhelm auf Frondienst ließ er die Arbeitskräfte entlohnen.

Funktionen

Wilhelmstein

Mit der Fertigstellung 1767 bis zum Tode des Erbauers Graf Wilhelm 1777 hatte der Wilhelmstein 20 Jahre lang eine militärischen Funktion als Festung inne. Während dieser Zeit und auch danach kamen der Insel weitere Funktionen zu:

Militärschule

Mit Fertigstellung der Inselfestung 1767 richtete Graf Wilhelm in ihr eine Kriegsschule ein, die er Praktische Artillerie- und Genie-Schule nannte. Sie diente der Ausbildung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Artillerie und des Pionierwesens. Die Schüler lebten abwechselnd auf der Insel und in Steinhude. Der mehrjährige Besuch der Schule war kostenfrei. Sie vermittelte nicht nur militärisches Wissen wie Ballistik und Taktik, sondern unterrichtete ab 1770 auch allgemeine Fächer wie Physik, Medizin, Chemie sowie Geschichte und Fremdsprachen. In den ersten 10 Jahren des Bestehens der Militärschule wurden 44 Offiziersanwärter ausgebildet. Der bekannteste Schüler war der spätere preußische General und Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst. Er begann 1773 im Alter von 18 Jahren seinen Dienst auf dem Wilhelmstein und erhielt später die Goldene Medaille der Kriegsschule. Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 verlegte sein Nachfolger Philipp Ernst die Schule nach Bückeburg, wo sie 1787 aufgelöst wurde.

Gefängnisinsel

Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 und Verlegung der Kriegsschule 1787 nach Bückeburg war die Festungsinsel weitgehend funktionslos geworden. Daraufhin wurde sie zum Staatsgefängnis der Grafschaft Schaumburg-Lippe. Anfangs waren vor allem Schwerverbrecher inhaftiert, die längere oder lebenslange Haftzeiten zu verbüßen hatten. Um 1815 gab es im Schnitt 10 ständige Häftlinge auf der Insel, insgesamt haben in dem über 80 Jahre bestehenden Gefängnis etwa 300 Gefangene eingesessen. Sie mussten auf der Insel Zwangsarbeiten verrichten. Einige verstorbene Häftlinge wurden auf der Insel begraben. Wegen der Lage im Wasser galt die Gefängnisinsel als ausbruchssicher. Bekannt sind drei Ausbrüche über das Eis und durch Schwimmen auf einer Holzbohle, von denen zumindest einer scheiterte. 1867 wurde das Gefängnis geschlossen, und die letzten Häftlinge kamen in Haftanstalten auf dem Festland.

Wilhelmstein

Ausflugsziel

Der Ausflugsverkehr zur Insel setzte früh ein. Der erste Besucher trug sich bereits im Fertigstellungsjahr der Festung 1767 in das Fremdenbuch ein. Anfangs handelte es sich bei den Besuchern, im Schnitt um die 50 im Jahr, um Adlige oder hohe Militärangehörige. Die Belagerung von 1787 verlieh der Festungsinsel einen hohen Bekanntheitsgrad, so dass ab 1790 jährlich bis zu 300 Menschen auf die Insel kamen.

Wilhelmstein Kunst in Glashäusern

Nachdem die Nutzung als Gefängnis 1867 beendet war, verstärkte sich der Fremdenverkehr erheblich. Die Insel wurde bereits in dieser Zeit vom Haus Schaumburg-Lippe als Besucherziel hergerichtet. Umliegende Kurorte, wie Bad Nenndorf, Bad Eilsen und Bad Rehburg, sorgten für hohe Besucherzahlen. Prominente Inselbesucher waren Johann Gottfried Herder, Friedrich de la Motte Fouqué, Jérôme Bonaparte und Kaiser Wilhelm I..

Eine weitere Zunahme des Fremdenverkehrs zur Insel setzte um 1900 ein, wofür auch die 1898 in Betrieb genommene Steinhuder Meer-Bahn sorgte. Für die Fischer des Steinhuder Meeres bedeutete der Tourismus zur Insel eine neue Einnahmequelle. Sie schafften sich zur Personenbeförderung größere Boote in Form der Auswandererboote an.

Im 21. Jahrhundert ließ der Inselbesitzer Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe zwischen 2005 und 2009 für rund 1 Million Euro umfangreiche Renovierungen an den historischen Inselgebäuden vornehmen, um die Insel attraktiver für den Fremdenverkehr zu machen. 7 der 9 Inselhäuser wurden restauriert und wieder nutzbar gemacht. In ihnen sind ein Café, ein Souvenirladen, Seminarräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen geschaffen worden. In einem Inselhäuschen befindet sich eine kleine Ausstellung über den Naturpark Steinhuder Meer. Etwa 80.000 Tagesgäste, die auf Auswandererbooten oder mit Fahrgastschiffen anreisen, besuchen die Insel jährlich. Segelboote können gegen Gebühr an der Insel anlegen.

Wilhelmstein

Die gesamte Festung der Insel ist heute ein Museum, das gegen Eintrittsgeld besichtigt werden kann. Darin sind Kartenmaterial, Waffen (Mörser, Kanonenrohre, Kanonenkugeln, Gewehre) und andere Gegenstände aus der Geschichte der Anlage ausgestellt. Ebenso sind frühere Wohn- und Arrestzellen nachgebildet.

Seit 2005 besteht für 20 Paare pro Jahr wieder die Möglichkeit, sich im ehemaligen Zimmer des Inselkommandanten standesamtlich trauen zu lassen. Trauungen auf der Insel wurden schon etwa ab dem Jahr 1900 durchgeführt und waren sehr beliebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ das Interesse an Inseltrauungen aber nach.

Weblinks

Quelle:

Die obige Beschreibung stammt aus dem Wikipedia-Artikel „Wilhelmstein“, welcher gemäß CC-BY-SA lizensiert wurde. Die vollständige Liste der Autoren ist hier zu finden. Gemeinschaftsseiten werden nicht unbedingt von den dazugehörigen Personen oder Organisationen befürwortet oder unterstützt.

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